Öl- und Gaskessel

Kessel ist der Sammelbegriff für in der Regel bodenstehende Wärmeerzeuger, die von einer Feuerung erzeugte Wärme auf ein Heizmedium übertragen. Moderne Kessel sind das Ergebnis von über 100 Jahren Forschung und Entwicklung. Der Werkstoff für die Wärmeübertragungsflächen ist meist Stahlblech oder -guß, neuerdings auch Edelstahl oder Aluminium-Siliziumguß. Absolut entscheidendes Merkmal ist der Wärmeübergang des Kessels vom Rauchgas zum Wärmeträger, der vom Werkstoff und der Konstruktion abhängt und durch den sogenannten Wirkungsgrad beschrieben wird. Dieser Wirkungsgrad beschreibt den tatsächlich genutzten Anteil des Brennstoffes. Der nicht genutzte Anteil verschwindet durch den Kamin und in den Heizraum.

Standardkessel

Standardkessel werden in der Regel mit einer konstanten Temperatur betrieben. Sie wurden bis ca. 1980 eingebaut und erreichen Wirkungsgrade von oft nur ca. 60-70% bei 200-220°C Abgastemperatur. Sie sind nicht nur veraltet, sondern dürfen auch in neuen Anlagen ohne besonderen Grund gar nicht mehr eingebaut werden. In vielen Gebäuden sind aber immer noch Kessel diesen Typs installiert.

Niedertemperaturkessel

Gute Niedertemperaturkessel erreichen aufgrund besserer Werkstoffe, Konstruktionen und Regelungen Wirkungsgrade von bis zu ca. 95% bei rund 130-150°C Abgas. Das ist zwar wesentlich besser als ein Standardkessel, aber es gehen immer noch rund 15% an Energie verloren. Gute Niedertemperaturkessel stellen keinerlei Anforderungen an die Betriebsbedingungen wie z.B. Mindestumlauf, Mindestrücklauftemperatur, Mindest-Kesseltemperatur etc. Diese Anforderungen verkomplizieren nur die Regelung und die Einbindung in die Anlage und kosten zumeist auch einige Prozente beim Nutzungsgrad.

Buderus Logano G115 Viessmann Serie Vitorond Wolf Serie TopOne

Brennwertkessel

Mit Brennwertnutzung lassen sich Wirkungsgrade bis zu ca. 106-110% [1] bei 30-60°C Abgas erreichen. Dies stellt das maximal Mögliche dar und ist inzwischen Stand der Technik. Die bodenstehenden Gas-Brennwertkessel beginnen ab ca. 80kW Leistung, darunter werden in der Regel wandhängende Geräte von der Größe etwa eines Kühlschranks eingesetzt. Bei den Ölkesseln sind die Brennwertgeräte über ca. 40kW meist bewährte Niedertemperaturkessel mit nachgeschaltetem, meist keramischem Wärmetauscher.

Buderus Logano GB125 Weishaupt Thermo Unit Vaillant Serie icoVIT

Wichtig für den Betrieb von Brennwertgeräten ist eine möglichst niedrige Rücklauftemperatur aus der Anlage, wie sie z.B. bei großzügig ausgelegten Heizkörpern und Fußbodenheizungen gegeben ist. Hohe Rücklauftemperaturen wie z.B. aus Einspritzschaltungen oder knapp ausgelegten Lüftungsanlagen sind tödlich für den Brennwert.

Buderus bietet Ihnen z.B. im Internet einen Brennstoffrechner an, mit dem sich die bei einer Kesselerneuerung zu erwartenden Einsparungen abschätzen lassen.

[1] Wirkungsgrade über 100% kommen zustande, weil die Nutzwärme nur auf die trockene Abkühlung des Rauchgases bezogen wird. Durch die latente Wärmenutzung, das ist die Kondensation des Wasserdampfes im Rauchgas ergeben sich dann höhere Werte als 100%.

Abgastechnik

Die niedrigen Abgaswerte der neuen Kessel erfordern fast immer, beim Heizkesseltausch ein kondensatunempfindliches Abgasrohr in den vorhandenen Kamin einzuziehen. Denn die niedrigen Temperaturen lassen das Abgas kondensieren, konventionell gemauerte Kamine würden sonst versotten (durchfeuchten) und zusammenbrechen. Das einzuziehende Abgasrohr besteht bei den modernen Brennwertkesseln in der Regel aus Kunststoff. Bei Öl-Brennwert und größeren Gas-Brennwertkesseln ist es zudem erforderlich, das abzuleitende Abgas-Kondensat zu neutralisieren, damit die Abwasserleitungen keinen Schaden nehmen.

Brenner

Feuer ist die Grundlage jeder Zivilisation. Denn ohne Feuer sind unsere Breitengrade nicht bewohnbar. Jeder Kessel benötigt deshalb einen Brenner. Er wandelt den eigentlichen Brennstoff in heisses Rauchgas um. Dabei wird Energie frei, die auf das Heizmedium (meist Wasser) übertragen wird. Wichtig dabei ist u.a. Störungsunempfindlichkeit, geringe Geräuschentwicklung, Wartungsfreundlichkeit und ein geringer Schadstoffausstoß, insbesondere bei CO und NOx.

Weishaupt Serie WG - Gas Schnittbild Weishaupt Serie WL - Öl

Es gibt klassische Anbaubrenner und vom Hersteller bereits im Kessel integrierte Modelle, sogenannte Unit-Brenner. Die Anbaubrenner werden meist mit den Niedertemperaturkesseln, die Unit-Brenner meist in den neuen Gas- und Öl-Brennwertgeräten eingesetzt. Stand der Technik sind bei Ölbrennern sogenannte Blaubrenner, die durch Vorvergasung des Öls praktisch keinen Ruß mehr produzieren. Oft sind diese auch bereits für Pflanzenöle einsetzbar.

Der Brenner ist das höchstbelastete Gerät jeder Heizungsanlage. Er muss pro Jahr ca. 2500-3500 Betriebsstunden mit ca. 15.000 - 35.000 Starts aushalten. Bei einem KFZ würde das einer Fahrleistung von ca. 150.000 km pro Jahr bei Kaltstarts alle 6 km entsprechen! Qualität und eine regelmäßige Wartung des Gerätes ist hier also entscheidend.